Ausstellung
Im Rahmen der SeenLandKunst 2009 präsentiert der Verein "Denkmal Kultur Mestlin e.V." in Zusammenarbeit mit Studierenden des Instituts für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin die Ausstellung "LückenStücke. Palastkunst im Musterdorf" im Kulturhaus Mestlin. Die Ausstellung versteht sich als ein erster Schritt in der Wiederbelebung des lange ungenutzten Kulturhauses in Mestlin, dem einzigen realisierten Musterdorf der DDR.
Die Ausstellung bringt rund 30 Kunstwerke, die einst Räume des kürzlich abgerissenen Palast der Republik in Berlin schmückten, nach Mestlin. Teilstücke des ehemaligen Wahrzeichens der DDR-Hauptstadt werden damit in das noch existierende Wahrzeichen eines kleinen Ortes in der mecklenburgischen Provinz überführt. Sieben Wochen lang finden die zurzeit heimatlosen Werke aus dem Metropolenpalast eine Bleibe im musterdörflichen Kulturhaus. Die Landschafts- gemälde und Druckgrafiken - darunter Arbeiten von Fritz Cremer, Lea Grundig, Harald Metzkes, Karl-Hermann Roehricht, Karl Erich Müller, Rudolf Austen und Werner Wittig - werden wissenschaftlich aufgearbeitet und in eine ausführliche Dokumentation zur Geschichte und Funktion der beiden Kulturhäuser eingebunden.
Die historische Aufarbeitung beider Bauten wird zudem um eine zeitgenössische Komponente erweitert. Der Fotograf Thomas Kemnitz, der sich vielfach mit "vergessenen Orten" beschäftigt hat, wird den (noch) maroden Istzustand des Kulturhauses Mestlin, auch die während der Ausstellungsdauer nicht zugänglichen Bereiche, kurz vor Ausstellungseröffnung fotografisch erkunden. Die Ergebnisse werden im großen Eingangsfoyer den Auftakt der "LückenStücke" bilden.
Im Kulturhaus Vorgefundenes ist auch das Material einer Arbeit der Bildhauerin Takwe Kaenders, die eine zerschlagene Marx-Büste aus dem Keller des Hauses neu zusammen- gesetzt hat. Die Dokumentation eines durch derbe Zwischennutzung verlorenen Foyer-Wandgemäldes von Vera Kopetz steht emblematisch für die titelgebenden Lücken, die durch den seit 1990 praktizierten Umgang mit DDR-Kulturgut entstanden sind.
Eine Stadtansicht von Walter Womacka führt im Obergeschoss den Palast der Republik im urbanen Kontext seiner Entstehungszeit ein. Ein Raum mit Landschaftsmalerei aus dem ehemaligen Konferenzsaal des Palastes stellt Fragen zum Bild einer "sozialistischen Heimat", während ein Grafikraum die hohe Stellung grafischer Kunst in der DDR und das enge Zusammenspiel der bildenden mit den performativen und literarischen Künsten hervorhebt.
Künstlerische Positionen aus den letzten fünfzehn Jahren lassen die Faszination erkennen, die der Übergangs- und Schwebezustand des Palastes der Republik zwischen Schließung und Abriss ausgeübt hat. Thorsten Klapsch war einer der ersten, der die Räume des Palastes nach 1990 fotografisch festhielt. Hansjörg Schneider setzt die stückweise Demontage des Gebäudes in filigrane Scherenschnitte um, während Barbara Schnabel den Abrissprozess zum Thema ihres Films "reset" macht und in Fotoarbeiten die Ästhetik des Verfalls zelebriert. In ihrer Fotoserie "Die verschwundenen Bilder" spürt Margret Hoppe Leerstellen auf, die durch das Entfernen von Kunst aus öffentlichen Räumen entstanden - ein Inventar stiller Tatorte des Auslöschens von Erinnerung.
Durch die gemeinsame Präsentation von DDR-Kunst und Post-Wende-Kunst werden Dialoge und Vergleiche auf unterschiedlichen Ebenen angeregt. Die Metropole wird neben die Provinz gestellt, das Gestern neben das Heute, alte Lücken neben neue Potentiale. Es stehen sich Symbole und Versatzstücke von Idyll und Wirklichkeit "blühender Landschaften" und des einstigen sozialistischen Gesellschaftssystems der DDR gegenüber.
Mit der Wiedervereinigung Deutschlands vor 20 Jahren entstanden Lücken, die in den Augen vieler bis heute nicht geschlossen sind. Der Palast der Republik und das Kulturhaus Mestlin sind/waren zwei Ausprägungen sozialistischer Kulturpolitik, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten, und sind doch beide Zeichen für einen vielerorts von Unsicherheiten bestimmten Umgang mit kulturellem Erbe.
Die Ausstellung bietet keine Patentlösung zur Füllung historischer Leerstellen, versteht sich aber als Anstoß zum Nachdenken und als positives Signal für die Zukunft. Was die viel versprechende Zukunft des Kulturhauses Mestlin betrifft, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan, wenn sich das Haus für junge Gäste "von außerhalb" öffnet.
Eine Ausstellungsinitiative des Vereins "Denkmal Kultur Mestlin e.V.",
Kunstwerke und historische Dokumente zweier Kulturhäuser
Die Ausstellung bringt rund 30 Kunstwerke, die einst Räume des kürzlich abgerissenen Palast der Republik in Berlin schmückten, nach Mestlin. Teilstücke des ehemaligen Wahrzeichens der DDR-Hauptstadt werden damit in das noch existierende Wahrzeichen eines kleinen Ortes in der mecklenburgischen Provinz überführt. Sieben Wochen lang finden die zurzeit heimatlosen Werke aus dem Metropolenpalast eine Bleibe im musterdörflichen Kulturhaus. Die Landschafts- gemälde und Druckgrafiken - darunter Arbeiten von Fritz Cremer, Lea Grundig, Harald Metzkes, Karl-Hermann Roehricht, Karl Erich Müller, Rudolf Austen und Werner Wittig - werden wissenschaftlich aufgearbeitet und in eine ausführliche Dokumentation zur Geschichte und Funktion der beiden Kulturhäuser eingebunden.
Die historische Aufarbeitung beider Bauten wird zudem um eine zeitgenössische Komponente erweitert. Der Fotograf Thomas Kemnitz, der sich vielfach mit "vergessenen Orten" beschäftigt hat, wird den (noch) maroden Istzustand des Kulturhauses Mestlin, auch die während der Ausstellungsdauer nicht zugänglichen Bereiche, kurz vor Ausstellungseröffnung fotografisch erkunden. Die Ergebnisse werden im großen Eingangsfoyer den Auftakt der "LückenStücke" bilden.
Im Kulturhaus Vorgefundenes ist auch das Material einer Arbeit der Bildhauerin Takwe Kaenders, die eine zerschlagene Marx-Büste aus dem Keller des Hauses neu zusammen- gesetzt hat. Die Dokumentation eines durch derbe Zwischennutzung verlorenen Foyer-Wandgemäldes von Vera Kopetz steht emblematisch für die titelgebenden Lücken, die durch den seit 1990 praktizierten Umgang mit DDR-Kulturgut entstanden sind.
Eine Stadtansicht von Walter Womacka führt im Obergeschoss den Palast der Republik im urbanen Kontext seiner Entstehungszeit ein. Ein Raum mit Landschaftsmalerei aus dem ehemaligen Konferenzsaal des Palastes stellt Fragen zum Bild einer "sozialistischen Heimat", während ein Grafikraum die hohe Stellung grafischer Kunst in der DDR und das enge Zusammenspiel der bildenden mit den performativen und literarischen Künsten hervorhebt.
Künstlerische Positionen aus den letzten fünfzehn Jahren lassen die Faszination erkennen, die der Übergangs- und Schwebezustand des Palastes der Republik zwischen Schließung und Abriss ausgeübt hat. Thorsten Klapsch war einer der ersten, der die Räume des Palastes nach 1990 fotografisch festhielt. Hansjörg Schneider setzt die stückweise Demontage des Gebäudes in filigrane Scherenschnitte um, während Barbara Schnabel den Abrissprozess zum Thema ihres Films "reset" macht und in Fotoarbeiten die Ästhetik des Verfalls zelebriert. In ihrer Fotoserie "Die verschwundenen Bilder" spürt Margret Hoppe Leerstellen auf, die durch das Entfernen von Kunst aus öffentlichen Räumen entstanden - ein Inventar stiller Tatorte des Auslöschens von Erinnerung.
Reflexion des kulturellen Erbes
Durch die gemeinsame Präsentation von DDR-Kunst und Post-Wende-Kunst werden Dialoge und Vergleiche auf unterschiedlichen Ebenen angeregt. Die Metropole wird neben die Provinz gestellt, das Gestern neben das Heute, alte Lücken neben neue Potentiale. Es stehen sich Symbole und Versatzstücke von Idyll und Wirklichkeit "blühender Landschaften" und des einstigen sozialistischen Gesellschaftssystems der DDR gegenüber.
Mit der Wiedervereinigung Deutschlands vor 20 Jahren entstanden Lücken, die in den Augen vieler bis heute nicht geschlossen sind. Der Palast der Republik und das Kulturhaus Mestlin sind/waren zwei Ausprägungen sozialistischer Kulturpolitik, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten, und sind doch beide Zeichen für einen vielerorts von Unsicherheiten bestimmten Umgang mit kulturellem Erbe.
Die Ausstellung bietet keine Patentlösung zur Füllung historischer Leerstellen, versteht sich aber als Anstoß zum Nachdenken und als positives Signal für die Zukunft. Was die viel versprechende Zukunft des Kulturhauses Mestlin betrifft, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan, wenn sich das Haus für junge Gäste "von außerhalb" öffnet.
Eine Ausstellungsinitiative des Vereins "Denkmal Kultur Mestlin e.V.",
konzipiert und erarbeitet von Studierenden des Instituts für Kunst-
und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin.

Eindrücke aus dem Kulturhaus Mestlin

